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Von Christian Prüfer (epd)
"Wir bekommen regelmäßig Besuch von einem Europavertreter der Mormonen,
der uns eine kostenlose Digitalisierung der Bestände anbietet",
berichtet Wischhöfer. Doch gehe das Archiv aus mehreren Gründen darauf
nicht ein: "Wer digitalisiert, besitzt dann auch das Recht an den
Daten", gibt sie zu bedenken. Außerdem sei man aus theologischen
Gründen zurückhaltend.
Denn die in den USA entstandene Glaubensgemeinschaft der Mormonen
benötigt die in den Kirchenbüchern verzeichneten Namen für einen
eigenartigen religiösen Brauch. Danach lassen sich Menschen für bereits
verstorbene Familienmitglieder, die keine Mormonen waren,
stellvertretend taufen. Nur dann könne die bei den Mormonen
außerordentlich hoch geschätzte Familie auch im Jenseits beisammensein.
Auch kommerzielle Interessen
Aber auch kommerzielle Dienstleister aus den USA hätten schon
angeklopft, berichtet Wischhöfer. Diese stellten digitalisierte
Verzeichnisse ins Internet. Gegen Gebühr könne man sich dann auf die
Suche nach Ahnen und entfernten Verwandten begeben. Doch auch hier habe
man abgelehnt, obwohl die eigene Digitalisierung der Kirchenbücher, die
man gerade betreibe, ein aufwendiges und kostspieliges Unternehmen sei.
Dennoch sei die Digitalisierung der Archivbestände eine wichtige
Aufgabe, betont Wischhöfer: "Wenn wir es nicht machen, werden es andere
tun." So beteilige sich das Landeskirchliche Archiv seit kurzem an
einem internationalen ökumenischen Pilotprojekt eines
Kirchenbuchportals. Zahlreiche Archive kooperierten dabei mit ICARUS
(International Center for Archival Research) in Wien. Über 600.000
Seiten Archivmaterial stünden hier in einer Testversion bereits online.
Digitalisierung soll bis 2015 abgeschlossen sein
Ein Ziel der Digitalisierung ist nach Wischhöfers Angaben, die
Kirchenbücher über das Internet einsehbar zu machen. Der Verband
kirchlicher Archive, deren Vorsitzende Wischhöfer zugleich ist, hat
hierzu bereits 2007 die Seite www.kirchenbuchportal.de eingerichtet.
Digitalisierte Kirchenbücher sind hier allerdings noch nicht zu finden.
Wischhöfer hofft, dass man die Digitalisierung in der EKKW bis 2015
abgeschlossen haben wird. Dann könnten Interessierte sich gegen Gebühr
am Computer auf die Suche nach den eigenen Ahnen begeben.
Wer allerdings meint, nach erfolgter Digitalisierung einfach durch
Namenseingabe in einem Suchfeld eines Computerprogramms Menschen
gleichen Namens zu finden, irrt sich. "Das ist unser Fernziel",
schränkt Wischhöfer ein und weist auf die ungeheure Arbeit hin, die die
Indizierung der Namen erfordere.
Momentan jedenfalls muss man noch auf Mikrofilmen Namen in altdeutscher
Schrift mühsam entziffern, um zu Ergebnissen in der Ahnenforschung zu
gelangen. Damit beschäftigten sich im vergangenen Jahr immerhin rund 75
Prozent der 367 Besucher, die das Archiv zählte.
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