Iran: Deutsche Firmen handeln mit Nukleartechnik
05.02.10
Hamburg/Oberhausen (pte) - Ein bisher unbekanntes aber "hochbrisantes Dokument" hat fragwürdige Aktivitäten deutscher Firmen im Iran ans Tageslicht gebracht. Die hundertseitige Liste der "Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer zu Teheran" gibt Aufschluss über das "Who is Who" des deutschen Iranexport-Handels, wie die überparteiliche Koalition "Stop the Bomb" mitteilt. Die Bilfinger-Berger-Tochter Babcock Borsig empfiehlt sich in der Broschüre sogar mit dem Tätigkeitsbereich "Magnet- und Nukleartechnik".

Dass das iranische
Regime mit Nukleartechnik beliefert wird, kann Babcock-Borsig-Sprecher
Jürgen Fröhlich auf Nachfrage von pressetext "soweit nicht bestätigen".
Bei dem Eintrag in der Liste handle es sich um das "Leistungsportfolio,
das wir weltweit anbieten", so Fröhlich. Der Vermerk spiegle das gesamte
Spektrum des Unternehmens wider. "Der Handelskammer nach wurden die
Tätigkeitsberichte von den Firmen selbst angegeben. Die Einträge wurden
nach Angaben der Firmen gemacht", entgegnet der Politikwissenschaftler
Matthias Küntzel, der die Liste analysiert hat, im Gespräch mit
pressetext.
Das Dokument der Handelskammer wurde im Juli 2009
veröffentlicht - einen Monat nach den umstrittenen iranischen
Präsidentschaftswahlen, die zu massiven Protesten führten. "Die
Broschüre hat den Charakter einer Werbung für potenzielle Kunden im
Iran", erläutert Küntzel. Hier mit Nukleartechnik zu werben, sei "ein
kräftiger Schnitzer", meint der Experte. Neben Babcock Borsig betreiben
zahlreiche Unternehmen trotz der anhaltenden Debatte um Sanktionen
weiterhin Geschäfte im Iran.
Forderung nach Sanktionen
Überwachungs-
und Sicherheitstechnik werde etwa nicht nur von Nokia Siemens Networks,
sondern auch von der Firma Rohde & Schwarz und anderen in den Iran
geliefert, so Stop the Bomb. Der Marktführer im Tunnelbohrsektor
Herrenknecht und die Firma Wirth liefern den Angaben nach Bohrtechnik,
"mit der Anreicherungsanlagen unterirdisch versteckt werden können". In
der Analyse weist Küntzel nach, dass deutsche Firmen als Stütze des
iranischen Regimes um Ahmadinedschad und seiner Revolutionsgarden
fungieren. Die Organisation fordert Sanktionen von der Bundesregierung,
um die Irangeschäfte deutscher Firmen zu unterbinden.
"Gesetzgeber
muss handeln"
Deutsche Unternehmen sind aufgrund ihrer
Geschäfte im Iran wiederholt auf heftigen Gegenwind gestoßen. So hat
zuletzt etwa Siemens auf den steigenden öffentlichen Druck reagiert und
den Rückzug angekündigt. "Vom Gesetzgeber muss gehandelt werden",
unterstreicht Küntzel. Ein zunehmender Teil der deutschen Iranexporte
wird dem Experten zufolge über Dubai verschifft, womit er aus der
Statistik verschwinde. Selbst Sanktionen könnten so unterlaufen werden.
"Deutsche
Firmen, die direkt oder indirekt in den Iran liefern, müssen gesetzlich
dazu gebracht werden, über ihre Geschäfte Rechenschaft abzulegen", sagt
Küntzel. Es gebe viele Möglichkeiten, ein Land auf nicht-militärische
Weise dazu zu bringen, dem Wunsch der Weltgemeinschaft zu folgen. Dazu
müsse die Politik jedoch Stellung beziehen.
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