27.01. - Die Friedensbewegung fast unbemerkt am Weinberg

27.01.10

Im November 2005 erklärte die UNO den 27. Januar zum Holocaustgedenktag. In der dazugehörigen Resolution werden die Soldaten gewürdigt, die die Konzentrationslager befreiten. Es gab viele jüdische Soldaten, die in den Reihen der Alliierten kämpften, doch es waren keine jüdischen Armeen, die Auschwitz befreiten. Heute gibt es einen jüdischen Staat, der auch eine Armee hat.

Diese Armee und dieser Staat stehen häufig in der Kritik der Friedensbewegung. Auf dem Ostermarsch 2009 ließ die Kasseler Friedensbewegung den Schauspieler Rolf Becker verkünden,  „... die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen hat außer geschmuggelten Waffen nichts als ihren Willen zu Widerstand.“ Welcher Wille den „Widerstand“  – nicht etwa den gegen die Hamas, nein den gegen das benachbarte Israel – der Bevölkerung im Gazastreifen antreibt, lässt sich in der Charta der Hamas nachlesen. Die Hamas - wie die Friedensbewegung behauptet durch freie Wahlen legitimiert - ist die Organisation, die die Mehrheit der Bevölkerung im Gaza vertritt.

Am 27.01.2010 versammelten sich etwa 10 unentwegte Anhänger der Kasseler Friedensbewegung, um an diesem Tag am Mahnmal am Weinberg, an „die Opfer des Faschismus“ zu erinnern. Die Vernichtung der Juden war das Programm der Nationalsozialisten. Darin unterschied er sich vom Faschismus.

In der UNO-Resolution, auf die sich der Sprecher der Kasseler Friedensbewegung Peter Strutynski ausdrücklich bezog, wird auch die Erinnerungsarbeit gelobt, mit der an die Vernichtung der Juden durch die Nazidiktatur gedacht wird. Sie fordert auch dazu auf, diese Erinnerungsarbeit zu fördern. 

Die UNO-Resolution betont, dass es zu verhindern sei, dass es jemals wieder zu einem Völkermord kommt und verurteilt auch deutlich die Leugnung des Holocaust. Es gibt heute einen Staat, der daran arbeitet, eine Atombombe zu bauen und dessen Regierungsoberhaupt keinen Zweifel daran lässt, gegen wen und zu welchem Zweck diese Bombe einmal eingesetzt werden könnte und der mehrfach den Holocaust leugnete. Dazu fiel keinem der 10 Anwesenden etwas ein.

Vielleicht ahnte Sylvia Gingold angesichts eines abseits stehenden Anwesenden, der die Fahne Israels hielt, die nahe liegende Kritik, und verkündete, ihren Vater zitierend, die Lehre aus dem Faschismus sei die Einigkeit.

Der Auschwitzüberlebende Nummer 7594 formulierte einmal: „Lassen Sie uns in Ruhe, nehmen Sie nicht an Zeremonien zum Holocaust Gedenktag teil, und stören Sie uns nicht, wenn wir gegen unsere Feinde vorgehen, die gegen uns in den Krieg ziehen, um uns zu vernichten.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

 Jonas Dörge



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U.Schneider schrieb:
28.01.2010, 22:18
Gedenken zum 27. Januar
Was versucht der Artikel zu kritisieren? Dass es zu wenige Teilnehmende waren?
Sicherlich hätten es mehr sein können. Aber es ist wichtig, dass das Kasseler
Friedensforum diese öffentliche Gedenkveranstaltung organisiert hat. Dass Silvia
Gingold das Vermächtnis ihres Vaters zitiert hat? Welche andere Botschaft hat an
diesem Tag Platz als zu fordern, dass alle Antifaschisten gemeinsam gegen jede
Form des eliminatorischen Antisemitismus und Rassismus vergehen müssten. Es mag
sein, dass ein Überlebender von Auschwitz aus Verbitterung kein öffentliches
gedenken möchte. Das ist zu respektieren. Für die deutsche öffentlichkeit kann
es aber nicht genug öffentlich sichbare Zeichen geben, die an die Verbrechen
des deutschen Faschismus gemahnen. Dafür sei dem Kasseler Friedensforum gedankt.
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Datum des Ausdrucks: 09.09.2010