Kommentar: Konsequent inkonsequentes Alkoholverbot

11.08.09

Seit einigen Wochen gilt auf einigen öffentlichen Plätzen in Kassel ein Alkoholverbot, welches in mehrerlei Hinsicht inkonsequent ist und von Seiten der Stadt, insbesondere des Ordnungsamts, inkonsequent behandelt wird. Man rühmt sich zwar mit begleitenden Hilfsangeboten, aber das eigentliche Alkoholproblem wird in bewährter Manier nur ausgeblendet. Schlimmer allerdings: Abseits des Alkoholsverbots existieren nun „rechtsfreie Räume“ in Nordhessen!

Konsequent inkonsequent: „Verbotsfreie Räume“

Das Kasseler Alkoholverbot gilt nur auf einigen ausgewählten Plätzen, die in der Vergangenheit durch eine so genannte „Säuferszene“ aufgefallen sein sollen. Andere Orte in der Stadt, in denen in viel größerem Maße (und größeren Maßen) Drogen aller Art deutlich verantwortungsloser konsumiert werden, sieht man allerdings keinen Grund zum Einschreiten. So ist leider davon auszugehen, dass nichts gegen die Diskotheken, Raucherkneipen oder Volksfeste genannten Drogenhorte gemacht wird. Wir haben hier – außerhalb der wenigen Verbotszonen in der Stadt – verbotsfreie Räume! Es kann allerdings nicht sein, dass diese Räume auch zu rechtsfreien Räumen werden. Was im Internet verboten ist, darf nicht auch im realen Leben erlaubt sein!

Neben allen anderen öffentlichen Räumen in Kassel stehen damit auch die öffentlichen Räume der anderen nordhessischen Gemeinden im Wettbewerb um liberalere Trinkregeln und torpedieren somit das Kasseler Alkoholverbot. Unverständlich ist außerdem, warum der kommerzielle Drogenhandel und die Fixerstuben für die Volksdrogen in der Kasseler Innenstadt weiterhin ihren Beitrag zur moralischen Verwahrlosung der Menschheit leisten dürfen. Das ist inkonsequent!

Konsequent inkonsequent: Kontrolle durch das Ordnungsamt

Bereits beim traditionellen Volksfest Zissel konnte das Alkoholverbot durch seinen ersten großen Praxistest durchfallen und es nutze diese Chance auch gleich: Etliche Wagen des Landumzugs schenkten Alkohol an Passanten aus, viele der auf den Wagen Mitfahrenden konsumierten Alkohol in nicht unerheblicher Menge – und das vor den Augen Tausender Kinder! Ordnungsamt und Polizei hatten wir für diesen konzertierten kriminellen Massenakt allerdings keine Augen, sondern nur für die Wagen und den „reibungslosen Ablauf“ der Veranstaltung.

Ebenso inkonsequent ist die Überwachung des Alkoholverbots im Tagesgeschäft: Auf dem Königsplatz beispielsweise ist der Konsum von Alkohol in der Zeit von 18 Uhr bis 6 Uhr untersagt. Das Ordnungsamt patrouilliert dem entsprechend länger – nun bis Mitternacht. Das heißt, dass der Königsplatz von Mitternacht bis 6 Uhr früh ein rechtsfreier Raum ist! Ebenso dürfte es sich mit den anderen verbotenen Plätzen in der Stadt verhalten.

Konsequent inkonsequent: Probleme lediglich verdrängen

Zur Motivation des Alkoholverbots heißt es, dass man das Problem Alkoholismus ernst nähme und Hilfsangebote für Abhängige schaffen wolle. Dieser im Grunde 110%ig unterstützenswerte Ansatz kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass mit dem Verbot das Problem erst einmal aus den Augen und dann aus dem Sinn verbannt wird. Wie auch bei der von Feinden bürgerlicher Freiheit und der Umfallerpartei beschlossenen Internetzensur verdrängt man real existierende gesellschaftliche Probleme ins Private – was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Gelöst ist damit allerdings kein Problem.

Die Frage muss daher sein: Warum empfinden manche oder gar viele Menschen ihr Leben so unerträglich, dass sie es mit Drogen betäuben müssen? Was ist der Grund, sich das Wochenende berauscht zu verschöndern oder den letzten Kick zu verspüren? Sich als Gesellschaft dieser Fragen zu verweigern ist genauso inkonsequent, wie das ledigliche Betäuben, Verschönern oder Aufregendergestaltens des eigenen Lebens.

Robert Bienert, Hobby-Hedonist



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Ingo schrieb:
11.08.2009, 22:09
Das ging daneben.
Diesen sinn- und zusammenhangfreien "Artikel" hätten Sie sich besser erspart,
Herr Bienert. Der Personenkreis ist ein anderer, und das reicht doch vollkommen
aus. Die Szene besteht zum größten Teil aus Mitgliedern, die auf einer täglichen
Basis Alkohol konsumieren. Ein Volksfest ist etwas ganz anderes und nur einmal
im Jahr. Fürchterlich zu lesen, wie Sie sich krampfhaft um Ironie bemühen.
Auf diesen Beitrag antworten
Robert schrieb:
12.08.2009, 10:32
Re: Das ging daneben.
"sinn- und zusammenhangfreien 'Artikel'" -- haben Sie den _Kommentar_
überhaupt richtig gelesen? Zusammenhänge werden sehr wohl aufgezeigt. Über den
subjektiven Sinneseindruck brauchen wir gar nicht zu streiten. Wären sie
weiterhin beim Zissel gewesen, hätten Sie sehen können, dass das Alkoholverbot
im Endeffekt sehr wohl die gleiche Zielgruppe hat: Es betrifft auch friedlich
feiernde Menschen auf dem Weg zu einem Club, Junggesellenabschiede, etc.
Bedenken Sie, wo das Verbot _alles_ gilt und wem der öffentliche Raum eigentlich
gehört -- nämlich allen! Abschließend finde ich das Thema alles Andere als
ironisch und verbitte mir solche Unterstellungen! Drogenkonsum ist ein ernstes
Thema.
Auf diesen Beitrag antworten
Hering schrieb:
12.08.2009, 12:00
Re: Das ging daneben.
Ich empfehle Ihnen den nachfolgenden Artikel zu lesen Kassel verhängt
Alkoholverbot (Frankfurter Rundschau,
22.07.09) http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/184805
1_Marburg-und-Wiesbaden-als-Vorbild-Kassel-verhaengt-Alkoholverbot.html
Auf diesen Beitrag antworten
Hering schrieb:
11.08.2009, 23:16
Es bleibt dabei...
...auch wenn Hilfspolizisten und Detektive - zum Schutz des städtischen
Alkoholverbots - mit einander verschmelzen: Biertrinker sind keine Terroristen!
Nirgens!
Auf diesen Beitrag antworten
Robert schrieb:
12.08.2009, 10:49
Ganz vergessen
Die im Kommentar genannte Umfallerpartei ist in letzter Zeit auch als
Verräterpartei bekannt geworden.
Auf diesen Beitrag antworten
Hering schrieb:
13.08.2009, 17:21
Alkverbote: Velbert solidarisiert sich mit Kassel
So sieht in NRW kreativer Widerstand gegen Alkoholverbote aus. Jetzt
solidarisiert sich die Initiative aus Velbert mit der aus Kassel.
http://hermilebt.wordpress.com
Auf diesen Beitrag antworten
markus g. schrieb:
14.08.2009, 8:34
Solidarität aus Velbert
Ja auch noch hier einmal, viel Erfolg, vielleicht kriegt ihr ja auch geregelten
Protest und Widerstand zusammen. Wünsche euch viel Erfolg, haltet durch, das
Gesetz wird so oder so irgendwann gekippt!! Grüße aus der anderen
Alkoholverbotsstadt Velbert http://hermilebt.wordpress.com
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Datum des Ausdrucks: 09.09.2010